Ist unsere Lebenswirklichkeit familienfreundlich? Hier ist die Politik in der Pflicht!

26.11.2013

Am Wissenschaftszentrum für Sozialforschung in Berlin haben Jutta Allmendinger und Julia Haarbrücker unter Mitarbeit von Florian Fliegner von 2007 bis 2012 die Lebensentwürfe von Frauen und Männern ein wenig unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse, so finde ich, überraschen nicht wirklich und sind lesenswert für jedes Unternehmen und auch jeden Politiker:

1.
Die Ausrichtung von Frauen „zurück zu den Wurzeln“ ist nicht zu beobachten. Auch wenn sie Kinder bekommen haben bleibt die Erwerbstätigkeit für sie wichtig. Frauen, denen Familie wichtiger ist als Berufsorientierung liegt unter 5%.

2.
Die Erwerbstätigkeit von Frauen wird gesellschaftlich stark gestützt. Gerade den jungen Männern ist es wichtig, dass ihre Frauen auf den eigenen Beinen stehen und finanziell unabhängig sind.

3.
Bei Familie und Kindern erkennt man noch keinen wirklichen gesellschaftlichen Konsens. Selbst diejenigen Frauen und Männer, die einen starken Kinderwunsch haben, vermuten, dass die meisten Alters- und Geschlechtsgenossen das anders sehen, also keinen Kinderwunsch haben. Die deutsche Gesellschaft wird nach wie vor als sehr wenig kinderfreundlich erlebt.

4.
Das Bedürfnis nach Nähe ist immer noch groß. Bezogenheit auf Freunde, Partner und Familie hat sowohl bei Frauen als auch bei Männern eine große Bedeutung. Feste Bindungen und sorgen und umsorgt werden sind wichtige Grundwerte, die, so scheint es, als Basis aber auch die emotionale und finanzielle Unabhängigkeit zwingend in der Vorstellung der/des Einzelnen voraussetzen.

5.
Geschlechterbilder bleiben bestehen, nähern sich aber an. Frauen und Männer finden immer noch, dass Ehe, Familie und Kinder für Frauen wichtiger sind als für Männer. Vermutet wird von beiden Geschlechtern, dass Männer Karriere wichtiger ist als Frauen. Die Unterschiede sind jedoch deutlich geringer als vor einigen Jahren. Männer gehen noch immer davon aus, dass Geld für Frauen nicht so wichtig ist. Frauen finden das nicht.

6.
Die Lebenssituationen von Frauen und Männer unterscheiden sich stärker. Heute arbeiten gegenüber vor einigen Jahren noch mehr Frauen als Männer in Teilzeit. Sie unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit für den Nachwuchs nach wie vor. Männer würden gern weniger arbeiten, tun es aber nicht.

7.
Ost-West-Unterschiede bleiben bestehen. Frauen aus den ostdeutschen Bundesländern wollen nach der Geburt von Kindern schneller als Frau en im Westen in den Beruf zurück.

8.
Männer und Frauen fühlen sich nicht angemessen entlohnt. Viele Männer und Frauen finden Ihren Job gut, allerdings die Bezahlung nicht. Bei Frauen Gilt nach wie vor, dass sie die Chancen für eine richtige Karriere schlecht beurteilen. Viele fühlen sich diskriminiert: Sie erhalten keinen vergleichbaren Lohn für vergleichbare Arbeit und werden langsamer befördert als ihre Kollegen. Männer wissen, das stimmt.Finden aber auch, dass man daran nichts ändern müsse.

9.
Die Bedeutung von Bildung und Ausbildung ist weiter gestiegen. Männer mit niedrigerer Bildung fühlen sich gesellschaftlich abgehängt.

10.
Die Ungleichheit in der deutschen Gesellschaft hat deutlich zugenommen. Alle Befragten sehen die gesellschaftlichen Umstände heute noch kritischer als vor fünf Jahren. Von der Politik sehen sie sich zunehmend nicht richtig beachtet. Ihre Probleme werden einfach nicht wirklich bearbeitet.

Quelle: http://bibliothek.wzb.eu/pdf/2013/p13-002.pdf Das WZB (Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung) hat aktuell ein Diskussionspapier zu ihrer Studie "Lebensentwürfe heute. Wie junge Frauen und Männer in Deutschland leben wollen" online gestellt. Die Forscherinnen und Forscher haben zwischen 2007 und 2012 Lebensverläufe und Lebensentwürfe von jungen Frauen und Männern verfolgt.






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