Schlüsselkinder: Wie siehts aus mit der Betreuung von Grundschulkindern?

09.06.2010

Immerhin gibt es inzwischen die verlässliche Grundschule. Damit ist Eltern zu mindest ein wenig geholfen den beruflichen Alltag zu regeln. Der Staat, sprich die Bundesregierung unterstützt auch ausdrücklich das Konzept der Ganztagsschule. Immerhin! Wie ein solches Konzept in funktionierenden Alltag umgesetzt wird, davon konnte ich mich gestern im Rahmen der FDP-Sommerreise in Hameln überzeugen und mich bei 2 Schulleitungen schlauer fragen. Meine Eindrücke nach dem Gespräch:

Mit den finanzierten Steinen, sprich dem Bau einer Mensa, ist der Ganztagsbetrieb an Grundschulen natürlich noch nicht aufzubauen. Aber eine weitere Unterstützung scheint es in Niedersachsen für Grundschulen nicht zu geben. Das heißt, ungeschultes Personal, meist ehemalige Arbeitslose, übernehmen die pädagogische Arbeit am Nachmittag in Kooperation mit Vereinen und Elterninitiativen, sofern die Grundschule eine so genannte echte Ganztagsschule ist. Wer eine qualifizierte Betreuung möchte, der muss in die Tasche greifen. Da gibt es Hortplätze, so man Glück hat bekommt man einen, und es gibt ein freiwilliges städtisches Angebot direkt an den Schulen. Das wird in Hameln mit ca. 300.000 Euro gestützt, weil die Beiträge der Eltern, 60 Euro im Monat pro Kind, da bei weitem nicht ausreichen, um dieses Angebot mit pädagogisch geschultem Personal zu besetzen.

In Hameln gibt es insgesamt 8 Grundschulen, die eine Nachmittagsbetreuung anbieten und insgesamt 10 Gruppen. Alle samt sind mit jeweils 20 Kindern besetzt. Darüber hinaus gibt es weiteren Bedarf, die Warteliste gibt da Auskunft. Dem hohen Engagement der Schulleitungen ist es zu verdanken, dass ein vielfältiges und kindgerechtes Angebot zu Stande kommt. Und die Hausaufgabenhilfe, ein spezielles Angebot am Nachmittag, ist bereits dem Rotstift zum Opfer gefallen. Die Frage, wann auch die städtische Unterstützung gestrichen wird, blieb im Gespräch natürlich offen. Angesichts der leeren Kassen könnte, so meine Vermutung, das aber leicht passieren. Ein Schreckgespenst!

Frau Hoffmann, Leiterin einer Schule in der Hamelner Nordstadt (hier wohnen viele Kinder mit Migrationshintergrund und die nicht so Reichen) sprach sogar von der Sorge, dass hier gerade eine 2-Klassengesellschaft selbst an den Grundschulen Einzug hält. Die Eltern, die es sich leisten können, schicken ihre Kinder in die Betreuung am Nachmittag und diejenigen, die das nicht können, deren Kinder das aber eigentlich nötig hätten, können sich das eben nicht leisten. Für diese Kinder organisieren die Schulen zusammen mit den Kirchen und anderen sozialen Einrichtungen, Vereinen und Organisationen sowie ehrenamtlich tätigen älteren Schülern freiwillige Angebote zur Schularbeitenbetreuung und sinnvollen Freizeitgestaltung. Soweit die Situation derzeit.

Mit Ganztagsschule im eigentlichen Sinne hat das wenig zu tun. Der Not gehorchend helfen sich die Kommunen hier in Niedersachsen offensichtlich selbst, aber eigentlich wäre es Aufgabe des Landes, hier ein sinnvolles pädagogisches Konzept umzusetzen. Die Hamelner FDP Ratsfrau Ina Loth sprach im Gespräch sogar vom „Hamelner Modell“, dass in Niedersachsen Schule macht. Landesunterstützung Fehlanzeige? Nicht ganz. Immerhin erhalten die weiterführenden Schulen ein gewisses Kontingent an Lehrerstunden für die Nachmittagsbetreuung, so der Schulleiter Werner Heuer (Pestalozzischule, Hameln).

Familien, Väter und Mütter werden sich also weiter dafür einsetzen müssen, dass Schlüsselkinder endlich von der Bildfläche verschwinden. Da darf man nicht locker lassen! Angesichts der Probleme die wir haben, den bildungsferneren Schichten in unserer Gesellschaft die Tür zu qualifizierter Bildung offen zu halten und darüber hinaus Kindern mit Migrationshintergrund, dass sind übrigens keineswegs bildungsferne oder –unwillige Mitbürger, sinnvoll in unsere Gesellschaft zu integrieren, haben wir noch jede Menge politische Arbeit zu leisten. Im Bund, im Land und auch in den Kommunen. Steine alleine reichen nicht, um die Fachkräfte von Morgen zu qualifizieren rufe ich nach Berlin und nach Hannover! Und, sorgt endlich dafür, dass ich als Unternehmerin die Nachmittagsbetreuung der Grundschulkinder bezahlen darf, ohne dass das ein geldwerter Vorteil ist. Warum müssen meine Mitarbeiter für diese zweckgebundene Unterstützung auch noch Sozialabgaben abführen. Das ist ein Skandal!






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Kerstin Marxmeier schrieb am 24.06.2010 - 12:37
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Es ist schon wirklich erschreckend, welche mangelde staatliche Veranzwortung gezeigt wird, um seine jüngsten und unumstritten zukunftsträchtigen Mitglieder zu unterstützen und das in einer derzeitigen Gesellschaftstruktur, die ja inzwischen nachweislich (Prognosen hierüber gibt es ja schon lange) demographisch gebeutelt ist.
Eine Nachmittagsbetreuung, losgelöst vom eigentlichen Schulunterricht, bietet sicherlich einen außerordentlich löblichen Grundstein, schafft aber auch einen nicht unerheblichen Beitrag zur Ausgrenzung: Kinder von Alleinerziehenden finden sich in der Schublade "Deine Mutter/Vater hat also keine Zeit für Dich" genauso, wie bei Familienstrukturen, für die sich eine berufliche Tätigkeit beider Eltern als selbstver-ständlich erweist und natürlich auch in folgenden Generationen dupliziert...
Ich möchte hier auch noch einen anderen Aspekt in die Wagschale werfen: soziale Entwicklung unseres Nachwuchses - unsere Kinder brauchen das Erlernen sozialer Integration in einer Gruppe; daher geht meine Forderung in 1.Linie zu einem für alle einheitlichen Schulsystem, dass die beruflichen und personalen Kompetenzen unserer Kinder ausbildet und nicht vom sozialen Herkunftsstatus abhängig ist...
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